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Deutsches Kulturerbe im Südkaukasus

Konferenz in Tbilisi und Bolnisi anläßlich der Ankunft der ersten deutschen Siedler vor 200 Jahren

                  von Professor Oliver Reisner (Tbilisi)

Vom 14. bis 16. Dezember 2017 hat das Georgische Nationalmuseum (GNM) mit Unterstützung der UNESCO zum Abschluss des “Deutsch-Georgischen Jahres” zur internationalen Konferenz “Gemeinsames Erbe für kulturellen Dialog und Entwicklung aus Anlass des 200. Jubiläums der Ankunft der ersten deutschen Siedler im Südkaukasus“ nach Tbilisi und Bolnisi, dem ehemaligen Katharinenfeld eingeladen. Die Veranstaltung ist auch jenseits der Wissenschaft auf breites Interesse gestoßen. So folgten auf die Eröffnung durch Prof. David Lordkipanidze (Generaldirektor des GNM) Grußworte von Frau Ketevan Kandelaki (Generalsekretärin der Nationalen UNESCO-Kommission Georgiens), Dr. Heike Peitsch (Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Georgien) und Frau Barbara von Münchhausen (Leiterin des Goethe Instituts in Georgien).

Die Konferenz wurde von Frau Prof. Dr. Eva-Maria Auch vom Lehrstuhl für Geschichte Aserbaidschans an der Humboldt Universität zu Berlin eröffnet. Mit ihrem Vortrag eröffnete sie gleichzeitig die Ausstellung “Entgrenzung: Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasien“, die vom Auswärtigen Amt gefördert wird. Sie thematisierte unter anderem die Ursachen der Auswanderung aus Württemberg in den Jahren 1817/1818, die zaristische Politik ihrer Ansiedlung bis 1819 in acht Kolonien, den Aufbau von Siedlungsstrukturen im multikulturellen Umfeld Südkaukasiens, das gesellschaftliche, religiöse und ökonomische Leben in den Mutter- und zahlreichen Tochterkolonien, das städtische Leben und Unternehmertum in Tiflis und Baku, die Veränderungen durch den Ersten Weltkrieg, Bürgerkrieg und Revolutionen, die Sowjetisierung und ihre Auswirkungen auf Gemeinschaft und Wirtschaft unter ländlichen und städtischen Deutschen, die Verfolgung und Deportation nach Kasachstan und Sibirien unter Stalin und Deportation sowie ihre Folgen bis in die Gegenwart. Eine gemeinsame Erinnerungskultur kann im Rahmen der Östlichen Partnerschaft einen Beitrag zu einer in mehrfacher Hinsicht »entgrenzten« Verständigung zwischen den Menschen aus der Europäischen Union, besonders denen aus Deutschland, und den Bürgern Südkaukasiens leisten, schloss Frau Prof. Auch. Nachdem die Wanderausstellung am 20. Februar 2017 in Berlin eröffnet und bereits in Baku gezeigt wurde, war nun Tbilisi an der Reihe. Für 2018 sind weitere Orte in Deutschland, Aserbaidschan, Georgien und der Ukraine vorgesehen. Zur Ausstellung gibt es auch den Katalog „Entgrenzung: Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasien (Potsdamer Bibliothek östliches Europa - Geschichte) von Eva-Maria Auch und? Manfred Nawroth. Zugleich arbeitet Frau Auch an einer Monographie über „Deutsche Spuren zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer“.

Frau Ariane Afsari vom Mitveranstalter, dem „Deutschen Kulturforum östliches Europa“ gab dann einen rahmenden Überblick zu den “Deutsch-sprechenden Siedlern zwischen Ostsee und Kaspischem Meer”, welche die Vielfalt der deutschen Verflechtungen mit dem Zarenreich und der Sowjetunion deutlich machte. Dr. Manfred Nawroth (Staatliche Museen, Berlin) hat danach einen Überblick über die “Aktivitäten im Südkaukasus in 25 Jahren im Hinblick auf die deutschen Siedler” gegeben. Im Anschluss wurde dann die Wanderausstellung feierlich im Foyer des Georgischen Nationalmuseums eröffnet.

Im ersten thematischen Panel ging es um „Das deutsche Erbe im Kaukasus und seine Interpretation: Historischer Kontext: Emigration aus Württemberg – Immigration in den Südkaukasus“. Prof. em. Stefan Merl, Osteuropahistoriker der Universität Bielefeld fragte nach dem „Beitrag der deutschen Kolonisten zur ländlichen Entwicklung im Südkaukasus: Reflexionen im Vergleich zu den deutschen Siedlern im Wolga- und Schwarzmeerraum”, der sehr stark von Landmangel und einer regionalen Spezialisierung auf den Weinanbau und Vertrieb im Zarenreich geprägt war. Anschließend berichteten Assoc. Prof. Dr. Max Florian Hertsch und Ass. Prof. Mutlu Er von der Hacettepe University in Ankara von ihrer Spurensuchen zu den noch recht unbekannten “Kaukasusdeutschen auf türkischem Territorium”. Diese waren anscheinend von der Mutterkolonie Katharinenfeld aus in die Region Kars gewandert, als diese ein Teil des Zarenreiches gewesen war (1878-1917). Ihr Erbe sei aber nur sehr schwer auszumachen.

Die zweite Sitzung wandte sich dann dem „Alltagsleben“ der Kolonisten zu. Prof. Ikram Aqasiyev vom Geschichtsinstitut der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans fragte nach den „Beziehungen der deutschen Kolonisten mit der lokalen Bevölkerung in Aserbaidschan“, sprich von den Interaktionen um Helenendorf und Annenfeld. Rita Laubhan, eine Nachfahrin einer Familie von Kolonisten aus Deutschland, berichtete von ihren Studien zur „Geschichte Alexandersdorfs“, die heute nicht mehr als einzelne Siedlung existiert, sondern bereits in den 1920ern in den Tbiliser Stadtteil Didube eingemeindet worden war. Ihre stark genealogischen und lokalhistorischen Funde, die sie in einem gleichnamigen „Heimatbuch“ niedergelegt hat, zeugen von der immensen Erinnerungsarbeit der Nachfahren der in Deutschland als „Russlanddeutsche“ subsumierten Gemeinschaft der Spätaussiedler. Von den wenigen Frauen, die aufgrund ihrer Ehe mit Nichtdeutschen von der Deportation verschont blieben oder nach Tbilisi zurückgekehrt waren, berichtete Nino Lezhava, Direktorin der Regionalbüros Südkaukasus der Heinrich Böll Stiftung, die als „Deutsche Tanten” in Tbilisi im nachstalinschen Georgien private Kindergärten unterhielten, die den georgischen Kindern aus gebildeten Elternhäusern nicht nur deutsche Sprache, sondern auch Kultur vermittelten und die künftige Elite nachhaltig prägten. Ihr wird demnächst mit einem Erinnerungsband erstmals ein Denkmal gesetzt.

Die dritte Sitzung thematisierte das materielle Erbe in „Architektur, Kultur und interkulturellen Beziehungen“. Frau Farida Gasimova berichtete von der “Deutschen Architektur in Aserbaidschan”, betrachtete neben der ländlichen Siedlungsarchitektur auch das Erbe im Stadtbild Bakus. Darauf folgte Nestan Tatarashvilis umfassender Bericht zu den “Deutschen Siedlungen und Architekturerbe 1817-2017. Forschung, Restauration und Rehabilitierung” vom „Verein zur Bewahrung des deutschen Kulturerbes im Südkaukasus“ (Tbilisi). Im Rahmen einer von der Agentur für Kulturdenkmalschutz Georgiens geförderten Inventarisierung konnten 23 Siedlungen auf dem Territorium des heutigen Georgien und mehr als 1.500 Gebäude als deutsches Kulturerbe erfasst werden. Dieser Bestand sei jedoch durch Vernachlässigung und einem umfassenden Bauboom in Tbilisi sehr gefährdet. Prof. Nino Chogoshvili von der Kunstakademie Georgiens stellte dann das Wirken deutscher Maler unter dem Titel „Georgische Moderne Malerei und Deutschland, 1900-1940“ vor. Katharina Dück vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim zeigte, wie „Sprache und Identität lebender Kaukasusdeutscher und ihrer Nachfahren in Baku, Tbilisi, Bolnisi und in der Bundesrepublik Deutschland“ miteinander verbunden sind und welche Bedeutung das Schwäbische bei der Ausbildung einer eigenen Identität besaß.

In der vierten Sitzung über „Politische Ereignisse: vom Ersten Weltkrieg zur Deportation, Umsiedlung georgischer Bergbewohner, Rückkehr nach Deutschland, Erinnerung an die (verlorene) Heimat“ stellte Prof. Otar Janelidze „Die Geschichte der Beziehungen zwischen der Demokratischen Republik Georgiens und Deutschlands im Jahre 1918“ dar. Er stellte die aktive Rolle des Deutschen Reiches bei der Unabhängigkeit Georgiens ins Zentrum, die dann auch von Deutschland als erstem Land anerkannt wurde – gegen den Widerstand des damaligen Bündnispartners, dem Osmanischen Reich.

Während sich der erste Tag eher mit der Vergangenheit auseinandersetzte, ging es am zweiten Tag darum, wie das „Deutsche Kulturerbe im Kaukasus für die Zukunft“ bewahrt werden kann. Nach einem Grußwort von Herrn Elnur Sultanov, dem Generalsekretär der National UNESCO-Kommission der Republik Aserbaidschan, stellte Prof. Oliver Reisner (Staatliche Ilia Universität, Tbilisi) Fragen zur „Zukunft des deutschen Kulturerbes in Georgien” in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Da es keine in Georgien lebende deutsche Minderheit mehr gebe, die sich selber um den Erhalt des materiellen wie immateriellen Kulturerbes sorgen könnte, müssten in Zukunft neue Mittel und Wege gefunden werden, dieses Erbe einer neuen Bestimmung zuzuführen, die vor allem die junge Generation anspricht. Dies wurde in einer gemeinsamen Sommerschule mit deutschen und georgischen Studenten in Katharinenfeld-Bolnisi im September 2017 versucht und es wurden fünf Projekte erarbeitet. Ein konkretes Beispiel stellte der Künstler Aleksi Sosselia mit dem “Magischen Teppich Projekt – Ein Deutsch-Georgisches Kulturzentrum für Bolnisi“ vor, in welchem das alte Dorfschulzenamt als Begegnungs- und Weiterbildungszentrum für Künstler und die lokalen Anwohner ausgebaut werden soll.

Unter dem Thema „Deutsches Erbe als Bildunsressource“ stellte Natalia Bachtadze-Engländer vor, wie “Nachhaltige Entwicklung von materieller und immaterieller Kultur durch Ökotourism“ erreicht werden kann. Sie stellte dabei am Beispiel des deutschen Kulturerbes in der Gemeinde Tsalka vor, wie Natur- und Kulturschutz sinnvoll miteinander verbunden werden können. Wichtig ist die enge Kooperation mit den lokalen Anwohnern. Nana Tsikhistavi, Präsidentin des Georgischen Geschichtslehrerverbandes, stellte anschließend die „Aktivitäten zum deutschen Erbe im Südkaukasus“ vor, ein neuartiges, ergänzendes regionales Lehrwerk zur kulturellen Geschichte im Unterricht am Beispiel des deutschen Kulturerbes im aserbaidschanischen Göy Göl bzw. Helenendorf. Dabei seien Multiperspektivität sowie interaktive Lehrmethoden mindestens genauso wichtig, wie die zu vermittelnden Inhalte. Teona Sekhniashvili, Bachelor-Studentin an der Freien Universität Tbilisi, stellte dann ein erfolgreiches Projekt der oben erwähnten Sommerschule, den „Lehrpfad Bolnisi“ vor. Hier handelt es sich um eine außerschulische Lernmöglichkeit vor Ort in Bolnisi, um Jugendlichen den historischen Kontext des materiellen Erbes durch die spielerische Form einer „Schnitzeljagd“ zu vermitteln. Das Projekt wird von der staatlichen Agentur „Kreatives Georgien“ unterstützt und 2018 umgesetzt. Abschließend berichtete Prof. Nino Chikovani von “Studium und Lehre einer Multikulturellen Realität am UNESCO Lehrstuhl für Interkulturellen Dialog an der Staatlichen Universität Tbilisi“.

Zum Abschluß des zweiten Tages wurde die Evangelisch-Lutherische Kirche in Georgien und im südlichen Kaukasus besucht. Bischof Markus Schoch stellte die Geschichte und Gegenwart der mit etwas über 1.000 Mitglieder zählenden Gemeinde vor. Es folgte ein kleines Konzert mit Liedern von kaukasischen und deutschen Komponisten dargeboten mit Akkordeon und Kontrabass.

Am Samstag, dem 16. Dezember, folgte dann eine Exkursion nach Bolnisi-Katharinenfeld, bei der Mikheil Tsereteli das neue Regionalmuseum Bolnisi, seine Konstruktion und Ausstellungskonzeption vorstellte. Erstmals in der Geschichte Georgiens wird dem Kulturerbe der Kolonisten ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet. Entsprechend dem Regionalisierungskonzept des GNM wird die Erforschung der Geschichte der Kaukasiendeutschen in diesem Regionalmuseum angesiedelt werden. Das Museum soll im Mai 2018 eröffnet werden. Anschließend führten Nestan Tatarashvili und Oliver Reisner durch das “Deutsche Viertel” und konnten vor Ort den Bestand und die Probleme des Kulturerhalts demonstrieren.

Insgesamt bot diese kleine Konferenz einen tiefen Einblick in die transnational vernetzte Geschichte einer kleinen Gruppe schwäbischer Kolonisten in der „großen“ Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Es ist erfreulich, dass viele der vorgestellten Forschungen 2018 zur Buchmesse in Frankfurt M., auf der Georgien Gastland sein wird, auch in Buchform vorliegen werden.

Oliver Reisner

Verein zur Bewahrung des deutschen Kulturerbes im Südkaukasus

Stand 1. Oktober 2017

 

 Der „Verein zur Bewahrung des deutschen Kulturerbes im Südkaukasus“ wurde am 30. November 2013 mit Unterstützung der Deutschen Botschaft als Nichtregierungs-organisation in Tiflis gegründet und 2014 offiziell unter dem Aktenzeichen S/N 405024726 registriert. Der Vorstand besteht aus folgenden Mitgliedern: Dr. Oliver Reisner, Historiker und Vorsitzender, Dr. Maia Mania, Architekturhistorikerin, Hans-Joachim Kiderlen, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien und im Südkaukasus, Nestan Tatarashvili, Architektin und Restauratorin sowie Götz-Martin Rosin, Redakteur der deutschsprachigen Zeitung „Kaukasische Post“ und Olesya Dimitrchenko, Nachfahrin deutscher Kolonisten in Alexanderdorf. Der Verein hat ein Ehrenmitglied, die ehemalige Außenministerin, Tamar Beruchashvili sowie 40 aktive und passive Mitglieder.

Vereinszweck ist es, das bestehende deutsche Kulturerbe in Georgien zu erforschen, zu verteidigen, zu schützen und zu retten sowie seine breite Popularisierung. In zeitlicher Reihenfolge finden Sie nachfolgend die abgeschlossenen und laufenden Aktivitäten des Vereins:

 Zur Bekanntmachung des Vereins wurde eine offene Facebook-Seite eingerichtet: https://www.facebook.com/KulturerhaltGeorgien

 Zur Verbreitung unserer Vereinsziele in der Öffentlichkeit haben wir einen Videoclip produziert: https://www.youtube.com/watch?v=TzdnNxpC-8k&feature=youtu.be

 Vom Verein gesammeltes und aufgearbeitetes Material wurde von der Deutschen Botschaft Tiflis im Jahr 2014 in einem Kalender veröffentlicht, der Fotografien mit architektonischen Entwürfen verschiedener deutscher Siedlungen enthielt.

 2015 und 2016 haben wir das von der Nationalen Agentur für Kulturdenkmal-schutz Georgiens geförderte Projekt „Untersuchung und Erforschung des deutschen Kulturerbes in Georgien“ durchgeführt (150.000 GEL). Im Rahmen dieses Projektes konnten wir umfassend die historischen, bibliographischen und archivierten Informationen des deutschen Kulturerbes sammeln, inventarisieren und analysieren. Die wissenschaftliche Untersuchung wurde auf Grundlage des untersuchten Materials (Karten, Fotos, Zeichnungen, historische Archivalien u.ä.) durchgeführt. Insgesamt wurden in Georgien 23 Kolonien identifiziert und für 410 deutsche Gebäude Feld- und Inventarisierungskarten und 19 ausführliche Gebäudepässe erstellt. Für sechs Siedlungen wurden historisch-kulturelle Analysen der Siedlungsstruktur samt thematischen Karten durchgeführt bzw. erstellt. Auf der Grundlage dieser Arbeiten wurden einschlägige Empfehlungen und eine Liste schützenswerter Objekte des deutschen Kulturerbes verfasst. 38 deutsche Gebäude haben bereits den Status eines Kulturdenkmals Georgiens erhalten.

 Mit Mitteln unseres Vereins wurde das „Heimatbuch“ eines ehemaligen Kathrinenfelders ins Georgische übersetzt: Ernst Allmendinger: Katharinenfeld - Ein Deutsches Dorf im Kaukasus (1818-1941), Neustadt 1989. Es soll 2017 veröffentlicht werden.

 Das deutsche Kulturerbe in Georgien ist in Tiflis besonders gefährdet. Mit dem Ziel, dieses Erbe zu bewahren und zu popularisieren, organisierten wir zusammen mit dem Verein „Tiflis Hamkari“ am 14. Mai 2016 eine Fotoausstellung „Die in Tiflis verlorene deutsche Siedlung Alexanderdorf“ im Stadtrat von Tiflis.

 Um das Überleben von Alexanderdorf im Frühjahr 2016 zu sichern, haben wir uns an den Bürgermeister von Tiflis, David Narmania, gewandt und ihm wirksame Maßnahmen im Bereich Stadtplanung und Denkmalschutzbestimmungen für die bedrohten deutschen Gebäude vorgeschlagen. Zum selben Zweck hat die Agentur für Kulturdenkmalschutz den verbliebenen Gebäuden den Status von Objekten des Kulturerbes und den fünf bedeutendsten Gebäuden den Status eines Kulturdenkmals verliehen.

 Am 23. Oktober 2016 haben wir mit Unterstützung der Deutschen Botschaft im Rahmen der Gedenkveranstaltung zur Ankunft der schwäbischen Kolonisten in Bolnissi eine Fotoausstellung zu ihrer Geschichte und ihrem Kulturerbe organisiert.

 In Zusammenarbeit mit der Vertretung des Europarats in Georgien konnte unser Verein zweisprachige Informationstafeln und Ortsschilder in den ehemaligen deutschen Siedlungen aufstellen. Darüber hinaus konnten an den historischen und als Kulturerbe geschützten Gebäuden in Bolnissi-Katharinenfeld, Assureti- Elisabethtal und Trialeti-Alexanderhilf, Infotafeln zu ihrem Status, ihrer Geschichte und andere notwendigen Informationen in georgischer und deutscher Sprache angebracht werden.

 Im Rahmen eines Projekts zur Entwicklung des Ökotourismus haben wir dabei geholfen, das deutsche Kulturerbe in einen Tourismuspfad in der Region Tsalka einzubauen. Außer Informationsheften wurde in diesem Projekt in Trialeti auch eine Infotafel mit einem zweisprachigen Text erarbeitet, auf der die Kolonie Alexanderhilf und ihr kulturelles Erbe erklärt wird.

 Auf der 3. wissenschaftlichen Konferenz der Nationalen Agentur für Kulturdenk-malschutz Georgiens am 19. und 20. Mai 2016 zum Internationalen Tag der Museen haben wir über die „Entwicklung von Schutzzonen in Bolnissi und Assureti“ berichtet. Der Beitrag wurde 2017 im Konferenzband veröffentlicht.

 Auf der Grundlage unserer Studien veröffentlichte der Europarat in Georgien 2017 eine illustrierte Publikation „Kulturweg der deutschen Minderheit in Georgien“ auf Georgisch, Deutsch und Englisch (112 Seiten). Download: https://rm.coe.int/168070ce59

 Im Februar 2017 haben wir auf Einladung des Stadtmuseums und der Universität Tübingen eine Fotoausstellung „Schwaben in Georgien“ organisiert, die bis Ende Juli 2017 zu sehen war und sich großer Beliebtheit erfreut hat.

 In einer Sonderausgabe zum 200. Jahrestag der Gründung der Evangelisch- Lutherischen Kirche im Südkaukasus (1817-2017) wurde unser Artikel „Die Evangelisch-Lutherischen Kirchen Georgiens“ (Georgisch, Deutsch und Englisch) veröffentlicht.

 Mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Denkmalschutz von Georgien konnten wir im Juli 2017 in Stuttgart auf dem Studientag Südkaukasien der Evangelischen Landeskirche Württembergs mit einem Vortrag und einer Fotoausstellung zu den „Deutschen Kolonisten Georgiens 1817-2017“ unsere Arbeit in Deutschland vorstellen.

 Vom 24. bis 26. März haben wir an der von der „Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) organisierten Veranstaltung „Architektur als Brücke zwischen Zeit und Menschen“ mitgewirkt und außerdem einen Artikel über die deutschen Siedlungen veröffentlichen können.

 Von März bis August 2017 haben wir das vom Einsturz bedrohte Dach der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Trialeti-Alexanderhilf restauriert. Das Projekt wurde vom Auswärtigen Amt finanziert und von der Nationalen Agentur für Kulturdenkmalschutz zusammen mit uns umgesetzt.

 Auf der Grundlage der von uns gesammelten Informationen zum deutschen Kulturerbe wird die Abteilung für Tourismus Georgiens 2017 einen zweisprachigen Reiseführer über die deutschen Siedlungen Georgiens herausgeben.

 Im September 2017 wurde von der Staatlichen Ilia Universität und der Hochschule Zittau-Görlitz eine Sommerschule mit jeweils 15 georgischen und 15 deutschen Studierenden abgehalten, die der Projektentwicklung für den künftigen Umgang mit dem deutschen Kulturerbe gewidmet war. Sie wurde vom PROMOS-Programm des DAAD und der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie von unserem Verein tatkräftig unterstützt. Die Ergebnisse werden auf einer speziell eingerichteten Website öffentlich zugänglich gemacht.

 Unsere Forschungsergebnisse zu den deutschen Siedlungen und das kulturelle Erbe werden in einer Neuauflage des Geographischen Atlas Georgiens veröffentlicht, deren Präsentation im Jahr 2018 durch den Verlag „Palitra“ geplant ist.

 Auf Beschluss des Premierministers Georgiens hat der Gemeinde-Entwicklungs- Fond Georgiens (MDF) umfangreiche Arbeiten zur Rehabilitation des historischen Teils von Assureti, dem ehemaligen Elisabethtal begonnen. Geplant sind die Erneuerung der alten Dorfstraßen der ehemaligen deutschen Kolonie, die Wiederherstellung der ursprünglichen Zäune und Mauern sowie der Evangelisch- Lutherischen Kirche und dreier Wohnhäuser. Unser Verein begleitet diese Arbeiten mit seiner Expertise und Restaurierungsempfehlungen. Dieses Großprojekt wurde 2016 begonnen und wird 2018 abgeschlossen werden.

 Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland werden wir in weiteren vier deutschen Kolonien unsere detaillierte Inventarisierung fortsetzen. Die Ergebnisse zum deutschen Architekturerbe in Georgien werden in Buchform auf der Frankfurter Buchmesse 2018 vorgestellt.

 In Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Tübingen, der Universität Tübingen, der Museumsverwaltung Georgiens mit deren Regionalmuseum in Bolnissi sowie der Staatlichen Ilia Universität werden wir gemeinsam 2018 das Projekt „Wandernde Dinge und migrierende Menschen: Aufbereitung des schwäbischen Erbes in Georgien für Wissenschaft und Öffentlichkeit“ im Rahmen des Förderprogramms „Objekt – Material – Kultur: Dokumentation und Erforschung des materiellen Kulturerbes der Deutschen im östlichen Europa“ bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien umsetzen.

 Auf Grund der Bedeutung von Bildungsarbeit zum Schutz des Kulturerbes hat unser Verein ein weiteres Projekt „Deutsches Kulturerbe und Erstellung einer Karte lokaler Kulturressourcen zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung“ vorbereitet, das auf eine enge Zusammenarbeit von lokaler Bevölkerung, Kommunen, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen sowie ausländischen Gebern beruht. Einen Förderer für dieses Projekt konnte der Verein bisher noch nicht gewinnen.

 Wir kooperieren aktiv mit allen Gemeinden, in denen sich ehemalige deutsche Siedlungen befinden. Wir planen, mindestens eine Straße in jeder Siedlung nach ihrem historischen Namen umzubenennen. Dies soll dazu beitragen, die Erinnerung an die deutsche Bevölkerung und den Schutz des Kulturerbes zu gewährleisten.

 

Unser Verein verfolgt aktiv seine Ziele und plant für 2018 neue Projekte und Veranstaltungen, die ein besseres Verständnis des deutschen Kulturerbes in Georgien sowie die lokale und internationale Popularisierung ermöglichen. Dieses Erbe spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte Georgiens als multiethnischem und multikulturellem Land. Unser Verein versucht weiterhin, dieses Erbe bestmöglich zu bewahren.

Aktuelle Informationen können Sie auf unserer Facebook-Seite finden:

https://www.facebook.com/KulturerhaltGeorgien

Kontakt:

Vereinsanschrift: c/o OliverReisner, Omar Pkhakadze Str. 11, Tbilisi 0183

Email: deutscherkulturvereingeorgien@gmail.com

Telefon: +995 (32) 2 54 54 77, Mobil: +995 577 525 710

Bankverbindung:

ProCreditBankGeorgien/Tiflis, SWIFT Code: MIBGGE22;

Kontonummer IBAN: GE47PC0133600100060687

Erinnerungsabend im Gedenken an Bischof Dr. Andreas Stökl

Anlässlich des  zehnjährigen  Jahrestages des  Todes von   Bischof   Dr. Andreas  Stökl  hat  am 8. Mai  2016  ein Erinnerungsabend   in der Versöhnungskirche Tbilisi  stattgefunden,  an dem  Bischof  Hans-Joachim Kiderlen, Pastorin Irina Solej, der Bischof  der Baptistischen Kirche Malchas Songulaschwili, und die Vorsitzende des  Gemeinderates der Friedenskirche in Rustavi  Larisa Babaeva  teilgenommen haben.    Erinnerungen  haben auch David  Jandieri und Vova Lisunov mitgeteilt, die am Konfirmationsunterricht  mit Bischof  Stökl teilgenommen haben.  Der Bruder von Bischof  Stökl  Rudolf,  der  als Pastor in den ärmsten Stadtvierteln  der Stadt Alagoinchas  im Osten  Brasiliens tätig ist,   die Schwester  Dorothea und die  Söhne  Jonathan  und  Daniel haben  Briefe  mit  Grußworten geschickt  und  ihre große Dankbarkeit gegenüber der lutherischen  Kirche in Georgien für  das  gute und bleibende  Gedächtnis an ihren  Bruder und  Vater   zum Ausdruck gebracht.  Die Musikgruppe  (Robert Merabov -Akkordeon,  Albert Merabov -Kontrabass, Vova Lisunov -Flöte)  hat   diesen  Erinnerungsabend mit schöner  Musik begleitet. Es wurden Fotos gezeigt, einen Teil hat Bischof   Stökl  selbst gemacht, denn er war ein begeisterter  Fotograf.  Zum Schluss  haben wir  Taizé-Lieder gesungen, die Bischof  Stökl  durch  sein ganzes  Leben  trugen und  es ist ihm gelungen, unseren Jugendlichen und Erwachsenen  in den  Gemeinden  diese  Gesänge   beizubringen. 

Ich möchte mich an die Worte von  Bischof   Stökl  erinnern, die  er  in  einem   seiner  letzten  Artikel  im  “Kirchenboten”  von April  2006  geschrieben hat.   Es war kurz vor Ostern und wir lesen:  “Wem bleibt das  letzte Wort  in unserem Leben  und Tod? ” Jeder Christ  muss die Antwort  auf  diese Frage  wissen, die Antwort ist  im Wort  Jesu Christi:  “Ich lebe, und ihr sollt auch leben!”  

Pastorin Irina Solej

Besuch von Landesbischof July bei der ELKG und in Georgien

Für die ELKG war es eine Freude, Landesbischof Dr. Frank Otfried July fünf Jahre nach seinem ersten Besuch, damals zum zehnten Jahrestag der Eröffnung des Saltet-Hauses, wieder bei uns begrüßen zu können. Der Besuch vom 8. bis 11. April 2016 galt aber nicht nur uns, der kleinen Partnerkirche der großen Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Württemberg, sondern auch den anderen Kirchen und Religionen Georgiens. Insbesondere mit der Georgisch-Orthodoxen Kirche unterhält die württembergische Kirche seit langem gute Beziehungen. Bischof July ist einer der Vizepräsidenten des Lutherischen Weltbunds (LWB) und auch als solcher an der Lage der Religionen und Konfessionen in Georgien und ihren Beziehungen zum Staat und untereinander interessiert.

So folgte auf den sehr freundlichen Empfang durch Patriarch Ilia II. gleich am Morgen des ersten Besuchstags ein langer Austausch im Rat der Religionen beim Ombudsman Georgiens, in dem fast alle Minderheitsreligionen und –konfessionen vertreten sind. Bischof July erläuterte u.a., wie in Deutschland sich die Beziehungen zwischen dem Staat und den Kirchen und Religionen und Religionsgemeinschaften untereinander gestalten. Das fand großes Interesse insbesondere bei den anwesenden Leitern muslimischer Gemeinden, die für sich nach einem selbstbestimmten Platz in Staat und Gesellschaft in Georgien suchen. Danach, am Nachmittag, hielt Bischof July einen Vortrag in der Staatlichen Ilia-Universität über „Die Rolle der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Deutschland im Zusammenwirken von Staat und Gesellschaft“.

Erst der zweite und der dritte Besuchstag waren dem Leben der ELKG gewidmet. Im Saltet-Haus trafen Bischof July, seine Frau Edeltraud July und Kirchenrat Klaus Rieth Mitarbeiter und Bewohner zum Gespräch. Am Nachmittag versammelten sich fast alle Mitarbeiter mit leitenden Funktionen in Kirche und Diakonie, - die Mitglieder des Präsidiums, Pastoren, die Koordinatoren für die Arbeit mit Frauen, Männern und Kindern, die Vorsitzende der Revisionskommission der ELKG, die Buchhalterin, Vorsitzende von Gemeindekirchenräten, die Vorsitzende des ELDWD, die Koordinatorin des DDhP, die Leiterin der Kirchenkanzlei, - und sprachen über Möglichkeiten und Probleme ihrer Arbeitsbereiche und der Kirche. Bischof July lobte die breite Verteilung von Verantwortung und das Engagement aller Beteiligten. Er sicherte der ELKG auch für die Zukunft die Unterstützung der württembergischen Landeskirche zu und überreichte eine Geldspende, über deren Verwendung wir uns noch Gedanken machen müssen.

Zum Gedenken an 500 Jahre Reformation Martin Luthers pflanzte Bischof July eine Linde in unserem Garten. Viele Gemeindeglieder und Jugendliche waren anwesend und griffen zum Spaten. In der anschließenden Begegnung mit Jugendlichen, die meisten im Konfirmationsalter, ging es um die Konfirmation als persönliches Ja zum Glauben. - Höhepunkte und Abschluss des Besuchs waren die Gottesdienste am Sonntag in Tiflis, in dem Bischof July die Predigt hielt, und in Bolnisi, zu dem er mit seiner Frau und Kirchenrat Rieth Pastor Viktor begleitete. – Der Besuch hat uns ermutigt auf unserem Wege. Er hat uns auch neue Ideen gegeben für unsere Arbeit. Es spricht für den christlichen Geist enger Verbundenheit zwischen unseren Kirchen, wenn der geistliche Leiter einer Landeskirche mit 2,1 Millionen Mitgliedern bereit ist, so intensiv das Gespräch mit einer Kirche von weniger als siebenhundert Mitgliedern zu suchen! Dem Wirken des Heiligen Geistes, dem sich bekanntlich die Kirche verdankt, sind Zahlen und die Größenordnungen dieser Welt eben eher gleichgültig.

 Bischof Hans-Joachim Kiderlen